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Blutiges Gold im Sudan

Blutiges Gold im Sudan

Im Sudan herrscht seit zweieinhalb Jahren Krieg. Mit zehntausenden Toten, mehr als 15 Millionen Vertriebenen und einer landesweiten Hungersnot ist dies eine der größten humanitären Katastrophen der Welt – eng verwoben mit geopolitischen Interessen, Waffenhandel und dem wichtigsten Exportgut des Landes: Gold.

Text: Anna Palmann

Foto links: Pexel (Gift Omoh)

Ein Artikel derStraßenzeitung zebra.vom Dezember 2025


Die Stadt El Fascher in der Region Darfur im Westen des Sudans erlangte Ende Oktober internationale Bekanntheit. Nach 18 Monaten Belagerung verlor das sudanesische Militär, die Sudanese Armed Forces (SAF), diese letzte Stellung in der Region an die paramilitärische Miliz Rapid Support Forces (RAF). Diese töteten dort zahlreiche Zivilist*innen, vor allem Angehörige des Stammes der Masalit. Berichte sprechen von Folter sowie ethnisch motivierten Massenhinrichtungen und Satellitenbilder zeigen Haufen von verbrannten Leichen. Anfang November war die Rede von einem humanitären Waffenstillstand, doch es bleibt unklar, wie sich die Lage entwickeln wird und ein Ende des Konfliktes ist noch nicht in Sicht. Der Goldhandel des Landes spielt dabei eine zentrale Rolle und erschwert den Weg in Richtung Frieden.

Die Macht des Goldes

Gold macht etwa siebzig Prozent der Exporte aus dem Sudan aus. Hinter Südafrika und Ghana ist das Land damit der drittgrößte Goldproduzent der Welt. Doch anstatt zur finanziellen Stabilität beizutragen, zieht das Edelmetall das Land weiter und weiter ins Elend. Der Goldexport hat sich im Sudan seit Beginn des Krieges verdoppelt. Und das ist vermutlich noch niedrig geschätzt, da ein großer Teil des Goldhandels nicht dokumentiert oder illegal abgewickelt wird. Vor 2010 spielte Gold in der sudanesischen Wirtschaft keine große Rolle, doch mit der Unabhängigkeit des Südsudans verlor das Land rund drei Viertel seines Erdölvorkommens, was zu einer internen Finanzkrise führte. Damals begannen viele junge Menschen, Gold im kleinen Stil abzubauen und die damalige Al-Bashir-Regierung vergab Konzessionen an nationale und internationale Firmen. 2012 wurde in Jebel Amer ein großes Goldvorkommen entdeckt und seitdem ist die Region Nord Darfur zunehmend umkämpft. Gleichzeitig boomt der globale Goldhandel:

Im vergangenen Jahr erreichte der Goldpreis Rekordhöhen auf dem internationalen Markt, nicht zuletzt wegen der instabilen politischen Lage in verschiedenen Regionen der Welt. Die kämpfenden Parteien im Sudan schlagen Profit daraus, verkaufen das Gold und kaufen mit dem Gewinn mehr Waffen.

Doch wer denkt, dass sich dieses blutige Geschäft nur auf den Sudan beschränkt, täuscht sich. Entgegen der gängigen Meinung, dass der afrikanische Kontinent hauptsächlich von internen Machtkämpfen erschüttert wird, ist dieser Konflikt – wie so oft – Teil eines größeren Machtgefüges. In den letzten Jahren wurde der Sudan zum Spielfeld wichtiger geopolitischer Player und viele Länder in der Region unterstützen beide Konfliktparteien, um den eigenen Profit zu maximieren – und haben dementsprechend ein Interesse daran, dass der Krieg lange nicht endet. Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate sind politisch und ökonomisch mit dem Sudan verstrickt. Einerseits hat Abu Dhabi Handelsabkommen mit den SAF und importiert einen Löwenanteil des sudanesischen Goldes, andererseits versorgt es die RSF mit Waffen, die mitunter in Europa hergestellt und von den Emiraten aus nach Darfur geschmuggelt werden. Viele hohe RSF-Funktionäre besitzen außerdem Betriebe in Dubai, von denen aus Gold auf den internationalen Markt gebracht wird – oft im Zusammenspiel mit Geldwäsche. Rohes Gold wird in Dubai schnell weiterverkauft, sodass es kaum nachvollziehbar ist, wo es ursprünglich herkommt.

Wohlhabende Länder wie die Schweiz oder die Stadt Hong Kong importieren dieses Gold dann ohne dessen zweifelhafte Herkunft zu überprüfen oder geben sich mit gefälschten Zertifikaten zufrieden. 

Ist rohes Gold einmal auf dem internationalen Markt, ist seine blutige Herkunft schnell vergessen.

Vergiftetes Land, vergiftete Körper

Auch heute noch geschieht die Goldproduktion im Sudan meist nicht in großen industriellen Minen, sondern im kleinen Stil. Die Leidtragenden sind dabei die Ärmsten der Armen, die als Goldgräber *innen in abgelegenen Gegenden ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen. Über die schädlichen Folgen sind sich die meisten dabei nicht im Klaren: Für den Goldabbau werden nämlich Substanzen wie Quecksilber und Zyanid verwendet, die giftig für den Körper und die Umwelt sind. Bei einer gängigen Methode wird flüssiges Quecksilber über Gesteinsbrocken geschüttet. Dies ergibt eine Paste, die mit dem Bunsenbrenner erhitzt wird, damit das Quecksilber verdampft und nur das Gold übrigbleibt. Die giftigen Gase atmen die Menschen, die kaum über Schutzausrüstung verfügen, ein und das restliche Quecksilber versickert im Boden, wodurch es in Grundwasser, Quellen, Ackerland und Nahrungsmittel gelangt. Einmal im Körper, wandert es über den Blutkreislauf ins Gehirn und kann zu Blindheit, Lähmungen oder Fehlgeburten führen.

Die Überreste werden von den Goldgräber*innen oft nach Hause gebracht, in der Hoffnung auf ein kleines Stück Restgold. In ihren Hinterhöfen verbrennen sie das Material und setzen dabei auch ihre Angehörigen den Giftdämpfen aus. Rund zwei Millionen Menschen sind direkt von diesen Gesundheitsauswirkungen betroffen und niemand weiß genau, wie viel Quecksilber tief im sudanesischen Boden liegt. Doch eines ist klar: Das Ausmaß ist groß. Der Goldabbau im kleinen Stil, so wie er im Sudan betrieben wird, ist für rund ein Drittel der globalen Quecksilberverschmutzung verantwortlich. Seit 2019 sind Quecksilber und Zyanid zur Goldextraktion zwar auch im Sudan offiziell verboten, eingehalten wird dieses Verbot jedoch selten, da die Stoffe billig bei jenen Händlern erworben werden können, die später dann das Gold kaufen.

Die Zukunft ist golden

Sowohl die RSF als auch die SAF brauchen Kapital, um ihren Krieg fortzuführen – oft in Form von Gold. Kurz nachdem der Konflikt im April 2023 ausbrach, gewannen die RSF Kontrolle über Goldgräberdörfer in Nord Darfur und etablierten Schmuggelrouten in den Tschad und Südsudan. Die sudanesische Armee tat dasselbe im Norden des Landes Richtung Ägypten. Beide Seiten kollaborieren unter anderem mit der russischen Zöllnergruppe Africa Corps, die früher als Wagner Group bekannt war. Auch diese hat ihre eigene Goldraffinerie nördlich der Hauptstadt Khartoum. Damit zeigt sich, wie eng der Goldhandel mit den kriegerischen Handlungen im Land und darüber hinaus verbunden ist.

Wie sich die Lage in Darfur und im sudanesischen Konflikt weiterentwickeln wird, ist unklar. Auch wenn es im Konflikt vordergründig nicht direkt um Gold, sondern um Macht geht, macht das Goldgeschäft den Krieg mit möglich und blockiert den Weg zum Frieden. Ohne die Involvierung globaler Mächte wäre in El Fascher wohl nicht so viel Blut vergossen worden. Und darunter, im sudanesischen Boden, liegt noch viel mehr Gold begraben. Gold, das Soldaten mit schweren Waffen bewachen und das gleichzeitig für diese Waffen zahlt. Gold, für das die zivilen Opfer eines langjährigen Krieges ihr Leben riskieren, um sich etwas Brot leisten zu können – ohne zu wissen, dass eben jenes Gold ihr Leid mitfinanziert. 

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